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Präzise und effektiv: Hochmoderne Strahlentherapie für Menschen der Region

"Möglichkeiten der Hochpräzisionsstrahlentherapie" war das Thema des ersten Vortrags im Rahmen der Veranstaltungsreihe "Forum Gesundheit". Was die Strahlentherapie in diesem Kontext heute leisten kann, erläuterte der Leitende Arzt des Instituts für Strahlentherapie und Radioonkologie am St. Vincenz-Krankenhaus, Dr. Martin Henzel.

Sie gilt als außerordentlich effektiv und ist ein enormer Fortschritt im Kampf gegen Krebs, insbesondere bei der Behandlung von eigentlich als strahlenresistent geltenden und ungünstig gelegenen Tumoren: die Hochpräzisionsstrahlentherapie. Vor einem Jahr wurde der neue Linearbeschleuniger am St. Vincenz-Krankenhaus eingeweiht, der Krebspatienten in der Region völlig neue Möglichkeiten eröffnet. Über die Indikationen, Methoden und Grenzen der Hochpräzisionsstrahlentherapie informierte der Leitende Arzt des Instituts für Strahlentherapie und Radioonkologie am St. Vincenz-Krankenhaus, Dr. Martin Henzel, im Rahmen des "Forum Gesundheit". Die Vortragsreihe ist eine Veranstaltung der Kreisvolkshochschule Limburg-Weilburg in Kooperation mit dem St. Vincenz-Krankenhaus, die von der Nassauischen Neuen Presse als Medienpartner begleitet wird.

Mit einem kleinen Ausflug in die Geschichte der Strahlentherapie machte Dr. Martin Henzel auf die rasante Entwicklung dieses Fachbereichs seit Entdeckung der Röntgenstrahlen 1895 bis zur Hochpräzisionsstrahlentherapie aufmerksam. Das Prinzip dieses Verfahrens klingt ganz einfach: Je präziser bestrahlt werden kann, desto höher können die Strahlen dosiert werden, umso effektiver wiederum ist die Therapie. Erreicht wird dies mit einem hochmodernen informationstechnologischen Netzwerk, mit dem der Linearbeschleuniger ausgestattet ist, einschließlich virtueller Bestrahlungsplanung und anschließender Simulation. Zum Einsatz kommt dieses High-Tech-Verfahren insbesondere bei Tumoren, die von Natur aus strahlenresistent sind und eine sehr hohe Strahlendosis benötigen, sowie bei Tumoren, die nah an strahlenempfindlichen Organen liegen, wie zum Bespiel an Sehnerv oder Rectum. Anhand zahlreicher Fotos und Erläuterungen bekamen die Besucher des Gesundheitsforums einen umfangreichen Einblick in die Verfahren und Abläufe rundum die Hochpräzisionsstrahlentherapie.

Im Laufe seines Vortrags gab Dr. Martin Henzel einen Überblick über die drei Methoden, die dabei zur Anwendung kommen: die Stereotaxie, die Intensitätsmodulierte Radiotherapie (IMRT) und die Image Guided Radiotherapy (IGRT).

Bei der Stereotaxie werden hochdosierte, präzise Punktbestrahlungen kleiner Läsionen durchgeführt – kompakt als so genannte Einzeit- oder als fraktionierte Bestrahlung. Eine exakte Positionierung wird hierbei erreicht durch rigide Fixierung mittels Metallring oder Masken. Angewandt wird die Stereotaxie bei Bestrahlung sowohl am Gehirn als auch am Körperstamm.

Bei der IMRT erfolgt eine fraktionierte Bestrahlung kleinerer Läsionen, beispielsweise an der Prostata oder größerer Läsionen an Kopf und Hals, da hierbei Risikoorgane wie Rückenmark und Sehapparat maximal geschont werden. Bei dieser Methode sei zudem auch eine äußerst hohe Dosierung zur Bestrahlung von als strahlenresistent geltenden Tumoren wie Sarkomen möglich. Eine rigide Fixierung sei hierbei meistens nicht notwendig und zuweilen auch nicht möglich auf Grund von Organbewegungen.

Die IGRT kommt in Frage für Punktbestrahlung kleinerer und größerer Läsionen, wie zum Beispiel bei Metastasen an Lunge, Leber, Prostata und beim Bronchialkarzinom. Der so genannte Sicherheitssaum ist hierbei aufgrund millimetergenauer Lagerung des Patienten reduziert. Durch spezielle informationstechnologische Verfahren wird die Ist-Position des Patienten mit der Soll-Position abgeglichen. Bei einer Abweichung der Position erfolgten eine Online-Korrektur und ein entsprechender Verschub des Tisches, um die optimale Positionierung zu erreichen.

Der Mediziner erläuterte zahlreiche Beispiele für Indikationen der Hochpräzisionsstrahlentherapie und ging dabei auf verschiedene Tumorerkrankungen ein, darunter gutartige und bösartige Hirntumore, Metastasen in Gehirn, Lunge und Leber, sowie Tumore des HNO-Bereiches, der Lunge und der Prostata. Dabei kam der Strahlentherapeut auch auf die für Betroffene äußerst quälende Trigeminusneuralgie zu sprechen. Hierbei könne beispielsweise mittels Stereotaxie der Nerv zerstört und somit der Schmerz dauerhaft beseitigt werden.

Durch den neuen Linearbeschleuniger konnten Dr. Henzel und sein Team die Hochpräzisionsstrahlentherapie am St. Vincenz-Krankenhaus Limburg etablieren, so dass Tumorpatienten aus der Region inzwischen die Möglichkeit haben, wohnortnah das auf dem Schafsberg angebotene Spektrum in Anspruch zu nehmen, das Stereotaxie von Gehirnmetastasen und Gliomen, Stereotaxie von Lungenmetastasen und Bronchialkarzinom sowie IMRT/IGRT von HNO-Tumoren und Prostatakarzinom umfasst.