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Neue Therapien gegen Kopfschmerzen - Ausdauersport hilft immer

Kopfschmerzen gehören zu den häufigsten gesundheitlichen Beeinträchtigungen. Fast jeder hatte schon mal Kopfweh. Viele Ursachen kommen da in Frage – von der Migräne bis zum Hirntumor. Manchmal hat man auch einfach nur zu wenig getrunken, ist dehydriert - und manchmal vielleicht auch zu viel. Dann macht sich ein Kater infolge Alkoholkonsums bemerkbar, hier wäre die Diagnose einfach. Über „Kopfschmerz: Symptomatik – Behandlung – Zukunftsperspektiven“ sprach im Rahmen von „Visite im Vincenz“ im St. Vincenz-Krankenhaus Diez der Leiter des dort ansässigen Regionalen Schmerzzentrums Dr. Michael Petermeyer, Neurochirurg, Anästhesist und Schmerztherapeut.

Informierte über die häufigsten Kopfschmerzformen: Der Leiter des Regionalen Schmerzzentrums Diez, Dr. Michael Petermeyer. Der Neurochirurg, Anästhesist und Schmerztherapeut sprach im Rahmen der Veranstaltungsreihe „Visite im Vincenz“.

„Die meisten Menschen leiden unnötig lange unter Kopfweh“, sagte Dr. Michael Petermeyer. „Kopfschmerzen sind lästig, sie sind unangenehm - und in 95 Prozent der Fälle nicht gefährlich, auch nicht bei Kindern.“ Gerade Eltern käme schon mal der Gedanke, ob das nicht auch ein Tumor sein könnte. Doch die Wahrscheinlichkeit bei unter 16-Jährigen liege bei 0,4 Promille, sei also ausgesprochen gering. Aufhorchen sollte man allerdings bei unter 5- und über 50-Jährigen, wenn diese Symptome schilderten wie „akuter, noch nie dagewesener Kopfschmerz“ in Kombination mit neurologischen Symptomen wie Nackensteife, Schwindel, Sehstörungen, Krampfanfällen oder Fieber. Dann sollte man zeitnah einen Arzt aufsuchen und dies abklären lassen.
„Es gibt mehr als 350 verschiedene Formen von Kopfschmerzen“, so Petermeyer. Grundsätzlich werde unterschieden zwischen primären und sekundären Kopfschmerzen. Bei primären Kopfschmerzen besteht die Erkrankung im Schmerz selbst, die Ursachen seien oft unklar. Am häufigsten seien Spannungskopfschmerzen und Migräne. Bei sekundären Kopfschmerzen tritt der Schmerz als begleiterscheinendes Symptom zur Haupterkrankung auf. Dies trifft unter anderem zu bei Meningitis, Mittelohrentzündung, bei Hirnblutungen und bei einem Tumor. Von erheblicher Bedeutung sei die Anamnese, um die Kopfschmerzen klassifizieren und effektiv behandeln zu können. Ausschlaggebend sei dabei insbesondere, bei welchen Gelegenheiten, wo genau am Kopf, wie oft und wie stark der Kopfschmerz auftritt, die Art der Schmerzen, ob sie auslösbar sind und ob sie bei körperlicher Belastung zunehmen. Neben den psychosozialen Umständen des Betroffenen sei für die Anamnese auch wichtig, was der Patient schon unternommen hat, welche Medikamente, insbesondere auch, welche Kopfschmerzmedikamente er einnimmt. Anhand der Diagnosekriterien in den Leitlinien ließe sich dann recht genau feststellen, welche Kopfschmerzform bei dem Betroffenen vorliegt. Petermeyers Tipp: Ausdauersport. Der beuge fast jeder Kopfschmerzform vor. Welchen körperlichen Aktivitäten man dabei nachgeht, sei nebensächlich: Radfahren, Schwimmen, Spazierengehen – egal, Hauptsache, man komme für ein paar Minuten ins Schwitzen. Auch ein moderater Kaffeegenuss von etwa ein bis zwei Tassen pro Tag könne sich entgegen früheren Behauptungen positiv auswirken. Allerdings könne ein überhöhter Konsum von Kaffee auch Kopfweh auslösen – als Entzug, wenn der Körper nach Koffein verlangt.

Die häufigsten Kopfschmerzformen 

Ausführlich ging der Mediziner auf die am häufigsten vorkommenden Kopfschmerzformen ein - Migräne, Spannungs- sowie durch Medikamente ausgelöste Kopfschmerzen: Spannungskopfschmerzen treten in leichter bis mittelstarker Form beidseitig auf, ohne Übelkeit, und sie bleiben auch unter körperlicher Aktivität unverändert. Linderung in der akuten Phase verschaffen lokale Eisanwendung sowie Pfefferminzöl, das man sich mittels eines Sticks an die Schläfen reiben kann. An maximal zehn Tagen im Monat können Acetylsalecylsäure, Paracetamol oder Ibuprofen eingenommen werden. Für die Therapie chronischer Formen werden neben Ausdauersport, Entspannungsübungen, Akupunktur und TENS zur medikamentösen Behandlung trizyklische Antidepressiva eingesetzt.
Die Migräne dagegen ist gekennzeichnet durch einen wiederkehrenden Halbseitenkopfschmerz mit pulsierenden Attacken, der sich unter körperlicher Anstrengung verschlimmert. Durch Schlaf verbessert sich die Situation für die Betroffenen. Sie leiden manchmal unter Übelkeit und meiden sowohl Licht als auch Geräusche. In der Migränetherapie werden empfohlen: Reizabschirmung, Schlaf, lokale Eisbehandlung, Akupunktur und Akupressur, Pfefferminzöl, Biofeedback, TENS, ausreichend Trinken, Auslöser meiden, Massage, autogenes Training sowie bei leichten bis mittelschweren Attacken Medikamente gegen Übelkeit und leichte Schmerzen sowie bei schweren Attacken Triptane – aber die in angemessener Dosis. Petermeyers Rat: Gerade bei Migräne so früh wie möglich eine ausreichende Dosis an Schmerzmitteln einnehmen. Zudem kommen Injektionen in den Nervus occipitalis in Betracht.
Kopfschmerzen können aber auch durch Medikamentenübergebrauch ausgelöst werden. Deshalb muss der Arzt auch wissen, welche Medikamente der Betroffene bereits eingenommen hat, insbesondere gegen die Kopfschmerzen. Die eigentliche Herausforderung ist die Behandlung der chronischen Kopfschmerzen, zumal nach Jahren verschiedene Kopfschmerzformen gemeinsam auftreten können. In der medikamentösen Behandlung werden Topiramat, Amineurin, ß-Blocker, Ca Antagonisten, Antiepileptika sowie Vitamin B2 und Pestwurz eingesetzt. Auch Botox- und Antikörperinjektionen sowie eine Operation oder Bestrahlung kommen in Betracht. Perspektivisch sei in der Migränetherapie Revolutionäres zu erwarten, so Petermeyer. Ab Oktober kämen die ersten Antikörperpräparate auf den Markt - diesen Medikamenten gehört seiner Ansicht nach vermutlich die Zukunft.
Schließlich ging er auch ein auf das Phänomen der Macht der Placebos. Darüber hinaus wies er auch darauf hin, dass trotz gleicher Wirkstoffe und gleicher Dosis empirisch ermittelt wurde, dass Patienten speziell für Migräne ausgewiesenen Medikamenten eine höhere Wirksamkeit zugesprochen haben als anderen. Zur Selbsthilfe empfahl der Mediziner Betroffenen die App „m-sense.de“, sowie im Internet die Wörter „Leitlinie“ und „Kopfschmerz“ in die Suchmaschine einzugeben. Dort sind sämtliche Informationen über Symptome und Therapien zu den verschiedenen Kopfschmerzformen zusammengestellt. Für komplizierte Kopfschmerzformen empfahl er die Kopfschmerzkliniken in Kiel, Essen und Königstein sowie das Deutsche Kinder-Schmerzzentrum in Datteln.
Kontakt:
Regionales Schmerzzentrum Diez – DGS, Dr. Michael Petermeyer, Neurochirurg, Anästhesist und Schmerztherapeut, Adelheidstraße 2, 65582 Diez, Telefon: (0 64 32) 64 52 74-0, E-Mail: info(at)bandscheibenvorfall(dot)org, Sprechzeiten: montags nach Vereinbarung, dienstags von 8.30 bis 11 uhr und von 14 bis 18.30 Uhr, mittwochs von 8.30 bis 11 Uhr, donnerstags von 8.30 bis 11 Uhr und von 14 bis 16.30 Uhr sowie freitags von 8.30 bis 11 Uhr.